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bauhütte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

    Zusammengestellt :Alt-Hüttenmeister Walther Jung
                    Bauhütte der Pfalz


    HANSWERNFRIED   MUTH


    Die Bauhütten
    Räumlicher und organisatorischer Aspekt - Arbeits- und Lebensgemeinschaft - Funktion und Stellung des Werkmeisters - Parliere,
    Meistergesellen und Knechte - Die Bauhütte als überregionale
    Interessenvertretung und »Normenkontrollinstanz«.


    Für die großen Kirchenbauten der gotischen Zeit, deren Entstehen ein Zusammenwirken vieler Spezialisten verlangte, hatten sich eigene Organisationsformen herausgebildet, die man als »Bauhütten« bezeichnete. Dieser Name meinte sowohl das Werkstattgebäude wie auch die Werkstattgemeinschaft. Auch der Zusammenschluss aller Steinmetzen wird damit bezeichnet, obgleich dieser richtiger mit. »Steinmetzenbruderschaft« umschrieben ist.
    Die Bauhütte als Werkstattraum lag in unmittelbarer Nähe der zu bauenden Kirche und wurde als Holz- bisweilen auch als Steinbau errichtet. So war in Straßburg ein Haus südlich des Münsters, das heutige Oeuvre Notre-Dame und jetzt teilweise Museum, der Sitz der Münsterhütte, und zwar sowohl ihrer Verwaltung als auch der Steinmetzwerkstätten. Die Hütte war heizbar, da hier die Steinmetzen im Winter die Werksteine weiter ausmeiselten, die dann im Sommer versetzt wurden. Der Meister hatte darauf zu achten, dass die Bewohner gut miteinander auskamen, Zecherei und >Unzucht< vermieden. Die oft erwähnte Gerichtsbarkeit der Hütten erstreckte sich deshalb auch nur auf Streitigkeiten der Gesellen untereinander oder auf Unstimmigkeiten zwischen Gesellen und Meistern. Hatten sich dagegen Steinmetzen gegen städtisches Recht vergangen oder sich schwerwiegende Dinge zuschulden kommen lassen, so mussten sie vor einem ordentlichen Gericht erscheinen.
    Verschiedentlich besaßen die Bauhütten - wie etwa in Straßburg und Basel - eigene Häuser, in denen die Gesellen wohnen konnten. Die Straßburger Hütte unterhielt auch eine Küche, in der die Arbeiter des Baues von der Frau eines Hüttenvorstehers verpflegt wurden. Diese >Kantine< wurde schon früh zu einer der ersten sozialen Einrichtungen der Stadt, da auch Arme und bedürftige Schüler hier verköstigt wurden.

     
    Arbeit auf der Bauhütte.
    Lasten wurden auf Hebekränen nach oben befördert, wie die Darstellung der Gründung von Kloster Trebnitz zeigt (oben).
    Hedwigslegende. Wien, Österreichische Nationalbibliothek. - Schmiede
    schlagen ein Stück Eisen auf dem Amboss zurecht, daneben ein Schmelzofen mit
    Blasebalgvorrichtung. Miniatur aus dem 12. Jahrhundert. London, British Museum.

    In den Hütten wurde auch regelmäßig gemeinsam gefeiert. So gab es bestimmte Festtage an denen man sich zu feierlichen Gastmälem traf, und immer wurde dann gefeiert, wenn ein Gewölbe geschlossen, ein Dachstuhl aufgerichtet oder eine Glocke aufgezogen worden war. Daher rührt noch heute die Tradition des Richtfestes.
    Die Hütte war aber auch Lebensgemeinschaft aller am Bau Beteiligten. Es gab deshalb auch eine Kasse, die »Büchse«, für in Not gekommene Gesellen, also eine Art Versicherungsschutz. Die Büchsengelder wurden verwendet, um den verstorbenen Brüdern eine angemessene Beerdigung gewähren zu können. Auch für Arbeiter der Hütte, die nicht Mitglieder der Steinmetzbruderschaft waren, wie Mägde, Fuhrknechte, Schmiede und andere Hilfskräfte, bezahlte die Straßburger Hütte die Kosten für Beerdigungen; sie wurden bei Krankheit und Siechtum gepflegt, auch richtete ihnen die Hütte die Hochzeit aus.

    Innere Struktur und Aufgabenverteilung

    Die Bauhütte war straff organisiert. Ein Vertreter des Bauherrn kontrollierte die Finanzen, ein Verwaltungsbeamter sorgte für Materialbeschaffung und Entlohnung. Diese Verwaltungsleute werden lateinisch »directores fabricae« oder später »Pfleger« genannt. Auch der in späteren Zeiten oft genannte »Baumeister« war ein solcher Verwaltungsposten.
    Der Hütte selbst stand der Hüttenmeister oder Werkmeister vor. Er war auch die bestbezahlte Kraft am Werk. Meist erhielten die Werkmeister ihren Jahreslohn in vier Teilen, dazu kamen noch besondere Geschenke bei verschiedenen Anlässen. Künstlerisch übte der Hüttenmeister die Funktion eines Architekten vom Entwurf des Ganzen bis zur Ausführung im Detail aus. Der Gesamtentwurf bestand zumindest

    aus einem Grundriss und Aufriss des geplanten Bauwerkes. Leider sind uns solche Gesamtentwürfe nicht erhalten. Dagegen sind Planzeichnungen, »Risse«, für einzelne Bauteile überliefert, etwa Risse für einen Chor unbekannter Bestimmung und die großen Fassadenpläne für Köln, Straßburg und Ulm. Diese Risse erreichten oft erstaunliche Größen. So ist der Kölner Fassadenriss 405 Zentimeter hoch, der Riss für den Straßburger Münsterturm, der in Bern aufbewahrt ist, 457 mal 81 Zentimeter. Ferner hatte der Werkmeister für die Formsteine auch ein Musterstück und Schablonen anzufertigen, nach denen die Steinmetzen die Werkstücke ausmeisselten. Daher war es unbedingt notwendig, dass die Werkmeister auch bildhauerisch geschult waren. Dies bedeutete aber auch, dass dem Hütten- oder Werkmeister eine überragende und wesentliche Bedeutung für die stilistische Haltung eines Baues zukam, da er den Bau im ganzen, aber auch die Form des Omamentalen im einzelnen direkt mitbestimmen konnte.
    Erhaltene Bauordnungen zeigen, dass einem Meister vor allem aufgrund schon vollbrachter Werke eine neue Aufgabe übertragen wurde. Nach der Straßburger Ordnung musste er aus einer Hütte hervorgehen. Bei Übernahme eines bereits begonnenen Bauwerks war es dem neuen Werkmeister verboten, ohne Zustimmung des Bauherrn den Plan des Vorgängers abzuändern. Auch sollte er kein Steinwerk abbrechen lassen oder bereits behauene, aber noch unversetzte Steine verwerfen, noch überhaupt die Arbeit eines verstorbenen Meisters »schmähen«. Verträge mit den Werkmeistern wurden zunächst auf eine bestimmte Zeit, bei gegenseitiger Zufriedenheit dann auf Lebenszeit abgeschlossen. In den Verträgen wird den Werkmeistern verboten, den übernommenen Bau alleine zu lassen, um in anderen Städten weitere Bauten zu übernehmen, es sei denn, der Bauträger hat zuvor eigens seine Genehmigung hierzu erteilt. Durch diese Bestimmung wird zugleich die Unterordnung des Werkmeisters unter den Vertreter des Bauherrn betont. Die zweitwichtigste Bestimmung betrifft die Entlohnung der Werkmeister. Deren angesehene Stellung lässt sich aus den hohen Einkünften erschließen, die ihnen im Vergleich mit anderen Handwerkern zukamen. Gerade in Zeiten, in. denen viel gebaut wurde, waren die Werkmeister die gefragtesten Fachkräfte und nahmen unter den mittelalterlichen Handwerkern eine deutliche Ausnahmestellung ein.
    Stellvertreter des Werkmeisters waren die Parliere. Ihre Aufgabe war es, Winkelmaß, Richtscheit und Kehlmaß anzufertigen und die Arbeit der Gesellen zu kontrollieren.

    Den Parlieren folgten in der Rangordnung der Steinmetzen die Meisterknechte, »die um Kunst dienen«. Es sind die Gesellen, denen der Meister nach ihrer Lehrzeit (meist fünf Jahre) und nach den Wanderjahren

    Woh/geordnetes Handwerksgerät. Die Schnitzkunst verlangte gute Werkzeuge
    und Muße - der Mönch. 1284 von einem Künstler aus Pöhide geschnitzt, hat
    beides. Hannover, Niedersächsische Landesgalerie.

    (mindestens ein Jahr) die höhere Kunst des Bauens, zum Beispiel das Zeichnen von Rissen beibrachte. Für solche Gesellen waren auch die Steinmetzlehrbücher bestimmt, wie sich einige aus der Spätzeit der Gotik erhalten haben.
    Die Steinmetzgesellen durften erst nach ihrer Wanderschaft in die Hütte aufgenommen werden. Sie arbeiteten meist im Tagelohn, der am Ende der Woche ausbezahlt wurde. Gearbeitet wurde - ausgenommen die zahlreichen Feiertage - an den sechs Werktagen. Die Gesellen sollten morgens um fünf Uhr bei der Arbeit sein und bis sieben Uhr abends arbeiten. Morgens und mittags hatten sie eine, abends eine halbe Stunde Essenspause. Am Samstag war der Feierabend bereits auf fünf Uhr festgelegt; alle zwei Wochen durften die Gesellen samstags bereits um drei Uhr zum Bad gehen, wofür ihnen die Hütte ein »Badegeld« auszahlte. In einigen Hütten - wie in Prag und Wien wurden die Gesellen im Stücklohn, »im Verding«, ausbezahlt, d. h. ihnen wurden die Steine entlohnt, die sie ausgearbeitet und durch ihre Steinmetzzeichen markiert hatten.

    Das vielfach benötigte Eisenwerk - Zugbänder, Maueranker, Nägel und dergleichen -stellte der Schmied her. Der Schmied musste aber auch ständig die Werkzeuge der Steinmetzen neu herstellen oder sie für die Arbeit schärfen. Die meisten gotischen Kirchen wären ohne Eisenarmierungen gar nicht standfähig, und in den Spitzen der Türme macht das Eisen einen beträchtlichen Teil des verwendeten Materials aus. Es ist also verständlich, dass etwa in Straßburg der Schmied der bestbezahlte Mann nach dem Werkmeister war.
    Neben den Handwerkern waren eine ganze Reihe Hilfskräfte notwendig: Die Windenknechte förderten die Steine von der Hütte zum Bau und in die Höhe, sie bedienten auch die Lastenaufzüge. In Straßburg und in Schwäbisch-Gmünd haben sich solche Laufräder bis heute erhalten. Aber auch Mörtel, Eisenteile und Werkzeuge mussten befördert werden. Dazu waren in Straßburg beispielsweise beim Bau des Turmoktogons fast durchweg sieben Leute beschäftigt. Auch Maurer wurden hinzugezogen, die größere, glatte Mauerflächen aufführten, während die Werksteine von den Steinmetzen versetzt wurden. Die Zimmerleute bauten die Gerüste und die riesigen Dachstühle. Diese wurden errichtet, wenn die Langhausmauern standen, noch bevor die Gewölbe geschlossen wurden. Dies war aus statischen Gründen notwendig, brachte zudem den Vorteil, dass der Gewölbebau nun unter dem Schutz des Daches erfolgen konnte.
    Bauhütte im weitesten Sinn bedeutet aber auch die Organisation der Steinmetzen. Sie war eine durch die Arbeitsbedingungen nötige, überregional angelegte Zunft. Sie überwachte die Ausbildung und regelte Fragen, wie sie bei großen Baustellen zu allen Zeiten auftreten. Einzelne Bauhütten konnten in. diesem lockeren Verband der Hütten eine überlokale Bedeutung erlangen. Als oberste Instanz in Mitteleuropa

    Schlussstein aus der Metzer Panerwerkstatt.
    Die Sibylle von Tibur weissagt Kaiser Augustus den kommenden Heiland.
    Um 1371-1 376. Metz, Musées de Metz.

    war die Hütte von Straßburg anerkannt; Köln galt als Haupthütte für Norddeutschland, Wien für die habsburgischen Länder und Ungarn, Bem - später Zürich - als Haupthütte der Eidgenossenschaft. Als die große Bautätigkeit an den gotischen Kirchen im 16. Jahrhundert erlahmte und die Hüttenmitglieder mehr und mehr von den zünftig geordneten Handwerkern verdrängt wurden, blieben einige Bauhütten bestehen, um ständig für die großen Bauwerke zu sorgen. In diesen Hütten blieben oft - wie in Wien und Straßburg - erhebliche Planbestände bestehen. Die Bauhütten hatten aber nichts von einem Geheimbund an sich. Solche Momente, die ihnen nachgesagt wurden, kamen allenfalls in später Zeit hinzu und wurden besonders im 19. Jahrhundert nachträglich in das Mittelalter hineingedeutet, als man sich für diese Zeit zu interessieren begann.


    Literatur

    Bindung, Günther / Nussbaum, Norbert: Der mittelalterliche Baubetrieb nördlich der
    Alpen in zeitgenössischen Darstellungen, Darmstadt 1978
    Booz, Paul: Der Baumeister der Gotik, München / Berlin 1956 Wortmann, R.: Der
    Westbau des Straßburger Münsters und Meister Erwin, Bonner Jahrbuch 1969

     


    Aus der Rochlitzer oder
    Torgauer Steinmetzordnung von 1462

    Ein jeder Meister soll seine Hütte von Zwietracht freihalten, er soll sie reinhalten wie eine Gerichtsstätte.
    Es soll kein Meister eine unzüchtige Frau in die Hütte gehen lassen; hat einer mit ihr etwas zu reden, so soll man so weit von der Werkstatt fortgehen, wie man mit einem Hammer werfen kann.
    Wenn ein Meister den andern in Spott und Schande bringt, und man kann dem einen nichts nachweisen, so soll der andere vom Steinwerk ausgeschlossen werden.
    Es soll auch kein Meister einen Gesellen fordern, der den andern belügt oder ihm unrecht tut und sich mit öffentlichen Frauen umhertreibt, und ebenso die, die in den Herbergen oder Häusern, wo sie arbeiten, mit Frauen und Mädchen unzüchtig sprechen oder Unzucht treiben, und der nicht beichtet oder nicht recht tut, den soll man verweisen und für einen Übeltäter halten.
    Wenn ein Polier einen Stein verschlägt so dass er nicht brauchbar ist, so soll er seinen Lohn verlieren, den er an dem Stein verdient hat, und den Stein bezahlen, wenn er zu nichts mehr nutze ist.
    Der Polier soll den Gesellen und den Dienern ein Zeichen unten auf die Steine malen, wenn die Gesellen und Diener das Anschlagen versäumt haben, oder nicht zur rechten Zeit kommen, nach dem Morgenbrot. Nimmt er kein Bußgeld, so soll er es selbst zahlen.
    Es soll kein Polier gestatten, dass man Zeche hält in der Hütte unter der Zeit, sonder nur in der Vesperruhe.
    Er soll auch nicht gestatten, dass man mehr verzehrt zum Vesperbrot als um einen Pfennig. Es wäre denn, dass man Geschenke hätte, dass ein Wandergeselle gekommen wäre, dann kann der Polier eine Stunde feiern lassen.
    Ein jeglicher Polier soll der erste sein des Morgens und nach dem Essen in der Hütte, wenn man aufschließt, und der letzte, der herausgeht, es sei mittags ‚oder abends, damit sich alle Gesellen nach ihm richten. [...]
    Das ist der Gruß wie ihn jeder Geselle grüßen soll, wenn er zum ersten Mal in die Hütte eintritt: Gott grüße euch, Gott lenke euch, Gott lohne euch, euch Obermeister, Poliere und euch hübsche Gesellen! Dann soll ihnen der Meister oder Polier danken, damit er sieht, welcher der Oberste in der Hütte ist. Dann soll sich der Gesell an diesen wenden und sprechen: Meister, und ihn nennen beim Namen. Der entbietet euch seinen werten Gruß. Dann soll der Geselle umhergehen von einem zum andern, jeden freundlich grüßen, wie er den Hüttenobersten gegrüßt hat.
     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

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