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dr.nagel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


    Ich habe in dem Buch von Herrn Dr.Ulrich Nagel, Dozent an der Uni in Mainz, einige Interessante Aspekte zur Geschichte der Bauhütte nachgelesen: 
    Titel des Buches: 

    BAUEN IST EINE LUST

    ISBN Nr.:  3-345-00667-7
    Verlag für Bauwesen Berlin 

    unter Anderem folgendes:

    Das Hütten - und Budenrecht

    Die Hüttengerichtsbarkeit betraf bei den meisten Handwerkervereinigungen die Regelung interner Streitigkeiten sowie die über die Handwerksangelegenheiten hinausgehenden Vergehen.
    Ihr Ziel war die "Reinhaltung der Vereinigungen" von unlauteren Elementen und ein wesentliches Mittel, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Vereinigungen zu stärken.

    Angelegenheiten, die nur eine Baustelle betrafen, wurden dort im "Budenrecht" beraten. ( z.B. Einwände gegen einen "Bernhard"). Allmählich nahmen im Rahmen des Budenrechtes Erörterungen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse größeren Raum ein. Damit wurde das Budenrecht zu einer ersten Basis für die Interesssenvertretung der Steinmetzgesellen. (Festlegung von Tarifen).
     
    Versuchten Gesellen sich einer Bestrafung oder ungetilgter Schulden durch Wanderschaft zu entziehen, wurden diese in der "Kundschaft" anderer wandernder Gesellen vermerkt. Auch Rundreisebriefe trugen zur weiteren Bekanntmachung nicht beglichener Verbindlichkeiten bei.

    Neu hinzugewanderte Gesellen hatten ihre Kundschaft vorzuweisen. Darauf waren eigene und fremde Schulden u. ä. vermerkt. Einige Berufsgruppen führten daneben noch für jeden Gesellen einen Zettel ("Frachtbrief", "Latte") mit derartigen Angaben.

    Durch Einzahlung an eine Brüderschaft, die die Gelder dann zum Fordernden schickte, konnten Schulden auch aus der Fremde getilgt werden. Weigerte sich ein Geselle zu zahlen, war er anderswo durchgebrannt, so wurde ihm während des "Aufklopfens" "langschäftig ausgeschenkt". d.h.: - kräftig von allen Gesellen mit den Fäusten geschlagen- Dieses Mittel half immer und wurde auch in den Rundreisebriefen vermerkt. ".......ist langschäftig ausgeschenkt worden"

    Wurde von Meistern die gegen sie verhängten Strafen nicht abgetragen, waren gegen sie spezielle Repressalien üblich. Dazu gehörten das "Schelten" und das "Auftreiben" und das "Fenster zunageln". Gesellen wurden auch gescholten und damit aufgetrieben, wenn sie ihr Wissen über andere Untaten verschwiegen. Ein aufgetriebener Geselle wurde dann in keiner Werkstatt geduldet. Kein ehrlicher Geselle arbeitete mit ihm und verkehrte mit ihm. War ein Meister aufgetrieben, bekam er keine ehrlichen Gesellen, wurde nicht mehr zu den Zusammenkünften des Handwerks geladen und hatte keine Rechte mehr in der Zunft. (konnte aber weiterhin im Ort leben) Die Namen der Aufgetriebenen wurden neben mündlicher Weitergabe in das "schwarze Register" eingetragen.


    Der "Bernhard"

    Der "Bernhard" war eine Bezeichnung für die Strafen bei den Steinmetzgesellen. Die Herkunft des Begriffes stammt wahrscheinlich aus der Legende, dass ein Steinmetz einen Stein zerschlagen habe, aus dem die Figur des Heiligen Bernhard hergestellt werden sollte. So wurde lange Zeit ein verhauener Stein "Bernhard", "toter Stein" oder "toter Bernhard" genannt.
    Die für den toten Bernhard zu zahlenden Strafen wurden später zum Synonym für alle Strafen der Steinmetzgesellen.
    Verpfuschte Steine wurden mit komisch-feierlichem Ernst "beerdigt", d.h.: auf eine Bahre gelegt, Trauerlieder gesungen und zu einem "Begräbnisplatz" an der Werkstatt transportiert. Den Leichentrunk hatte der Steinmetz zu bezahlen, dem der Stein missraten war. Zögerte der Geselle mit der Zahlung, so wurde er "gebrüscht" (geprischt). Dazu wurde er auf einige zusammengelegte Richtscheite gelegt und dem Bernhard nachgetragen.. Die Träge ließen dann ihre Richtscheite einzeln los, so dass der Getragene herunterfiel. Dabei bekam er noch einige Schläge auf das Hinterteil.
    Oft war in der Steinmetzwerkstatt ein besonderes "Bernhard-Reglement" angeschlagen, das für die verschiedensten Vergehen die Strafen enthielt. Auch relativ geringfügige "Vergehen" wurden mit Strafen belegt. So zum Beispiel:
    - wer seinen Stein vor der Pause nicht abfegte,
    - wer eine Schablone nach Gebrauch nicht wieder vor die Arbeitsbude hing,
    - wer vor dem festgesetzten Arbeitsbeginn die Arbeit aufnahm,
    - wer mehr als drei Schläge nach Beginn der Pause machte,
    - wer den Wetzstein nach deren Benutzung nicht abspülte,
    - wer mit fremdem Werkzeug arbeitete.
    Mitunter waren diese Regeln nur den älteren Gesellen bekannt; die jüngeren mussten dadurch häufiger zahlen. Wer die festgesetzte Strafe nicht bezahlte, wurde "schwarz" gestellt. d.h.: es wurde ihm beim "Aufbänken" und "Abbänken" (Heben der zu bearbeitenden Steine auf die Böcke, deren Drehen und Wenden) versagt. 




    Steinmetzzeichen

    Den Steinmetzen wurde am Ende der Lehrzeit ein "Ehrenzeichen" (Steinmetzzeichen) verliehen. Bei der Erteilung des Zeichens wurde dem Wunsch des Gesellen möglichst Rechnung getragen. Er konnte das gewünschte Zeichen aufmalen; Meister und Gesellen prüften, ob es nicht einem schon bekannten Zeichen zu ähnlich sei. War das nicht der Fall, wurde es ihm feierlich zugestanden. Immer hatte er dieses Zeichen aus dem Grundschlüssel seiner Bauhütte abzuleiten. Dieser Grundschlüssel, oder "Mutterfigur" bestand in einer bestimmten Anordnung einiger geometrischer Figuren (Quadrate, gleichseitige Dreiecke und/oder Kreise). Aus der verschiedenartigen Überlagerung dieser Figuren ergaben sich dann die einzelnen Grundschlüssel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

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